Mein Auftrag als Designer – Start with WHY

 

Anfang des Jahres habe ich mich selbstständig gemacht. Ich habe schon lange mit dem Gedanken gespielt, diesen Schritt zu gehen.

 

Aber warum die Selbstständigkeit?

 

In mir brodelt ein ungemeiner Drang etwas Neues zu erschaffen, neue Möglichkeiten zu entdecken, Leute mit auf eine Reise zu nehmen und zusammen etwas Großes zu gestalten. Dabei stecken in mir zwei Persönlichkeiten: als Designer möchte ich die Welt bunt gestalten und damit einen Mehrwert schaffen. Als angehender Psychologe möchte ich den Menschen helfen. Ich habe ein starkes Gefühl für die Emotionen anderer, sehe das Potenzial in Anderen und deren Ideen und möchte darin unterstützen, sie zu etwas Wertvollem gedeihen zu lassen.
Ich hatte immer die Hoffnung, wenn ich frei von Strukturen und Hierarchien bin, kann ich diesen Anspruch, meine Welt zu verschönern und den Menschen um mich herum zu helfen, am besten ausleben.

Gesagt, getan, ich habe den Sprung gewagt und bin in den ersten Wochen sehr weich gelandet. Da ich früh mit der Akquise begonnen habe, hatte ich ab Januar direkt Kunden und Projekte. Weitere Anfragen folgten und auch das Thema Gründerzuschuss sollte kein Problem darstellen. Somit war die erste Hürde, die finanzielle Absicherung genommen, ich konnte mich auf meine Arbeit konzentrieren.

 

Steht mir mein hoher Anspruch als Designer im Weg?

 

Mit hohen Erwartungen bin ich an die Projekte heran gegangen und war voller Ideen: ich wollte UX Tests machen, die Usergruppe kennen lernen, mein Wissen und meinen Anspruch in das Projekt einfließen lassen; ich wollte komplett neue Ideen entwickeln. Mein Anspruch war, als Berater aufzutreten und so auch wahr genommen zu werden.
Tatsächlich zeigte sich dann aber eine andere Wirklichkeit: meine Kunde haben sich ihre eigenen Gedanken gemacht, haben gerade andere Interessen im Kopf bzw. müssen an ihr Business denken, welches sich bewährt hatte. Ich wurde hinzugeholt, um mit meinem Wissen die Website oder das Angebot zu optimieren, nicht sie komplett umzugestalten, geschweige denn alles neu zu erschaffen.
An diesem Punkt baute sich erster Frust in mir auf, die Motivation sank, erste Zweifel stellten sich ein. Ist es das Projekt oder die Zusammenarbeit, die mich stört? Steht mir mein hoher Anspruch als Designer im Weg? Ist der Freelancer wirklich das richtige Format für mich? Hatte ich zu rosarot gedacht? Viele Tage kreisten diese Gedanken in meinem Kopf, meine Umwelt habe ich mit schlechter Laune genervt.

Während dieser Zeit habe ich mit einer anderen Kundin an ihrem persönlichen Why, dem Sinn, mit dem sie durch ihr Leben geht und ihre Dienstleistung anbietet, gearbeitet. Während unserem kleinen Workshop haben wir viel darüber diskutiert, was der Auftrag eines Designers ist.

 

Was ist der Auftrag eines UX Designers?

 

Ist es meine Aufgabe die Welt und den Kunden davon zu überzeugen, dass meine Vorstellung, die ich mir durch FH- und Selbststudium angeeignet habe, die Richtige ist? Ist es richtig mein Wissen über die Ansprüche und Annahmen des Anderen zu stülpen, weil ich davon ausgehe, dass ich der Experte bin und es daher besser weiß?
Ich sage nein, ist es nicht. Ich sehe mich als Dienstleister, als Berater, der dem Menschen, in diesem Falle meinem Kunden, helfen will seine gestalterische Sprache zu finden, damit sein Produkt bzw. sein Angebot verstanden wird. Durch meine Hilfe möchte ich viel mehr meinem Kunden die Option bieten heraus zu finden, WARUM sein Produkt oder Angebot vom User angenommen werden soll, WARUM dadurch ein Mehrwert geschaffen wird.

Ich sollte es daher nicht persönlich nehmen, wenn es zu Uneinigkeiten kommt. Ich sollte mir daher keine Gegenargumente überlegen, warum die andere Sichtweise nicht gut ist oder Verkaufsargumente verwenden, um den Anderen davon zu überzeugen, das es richtig ist meinen Weg einzuschlagen oder mit mir noch einmal in die Diskussion zu gehen. In diesem Fall muss ich über meinem Ego stehen, mich zurück nehmen und akzeptieren, dass es sich nicht um meine Vorstellung eines Produktes handelt, sondern um die Vorstellung des Anderen.

 

And that’s it? Keine Diskussion, keine Reibung?

 

War es das dann? Der Kunde ist anderer Meinung und ich soll das dann akzeptieren und einfach abarbeiten was er sagt?
Nein! Vielmehr sollte es dann meine Aufgabe sein, mir das Angebot oder Produkt noch einmal ganz genau anzuschauen, ich sollte versuchen zu verstehen, welche Gedanken sich bereits gemacht wurden, warum sich für diese Art des Konzeptes entschieden wurde. In diesem Falle kann man sich mit dem Kunden noch einmal hinsetzen und einfache Fragen stellen. Was glaubt er, was die Zielgruppe ist? Was glaubt er, wie die Zielgruppe am besten angesprochen wird und was sie braucht? Was glaubt er, warum sein Produkt einen Mehrwert schafft? Durch diese gezielt gestellten Fragen hilft man dem Anderen selbst noch einmal zu reflektieren, ob er verstanden hat, was er aussagen will und ob er auf dem richtigen Weg ist. Stellen sich Unsicherheiten ein oder kann keine Antwort gegeben werden, könnte dort der erste Ansatzpunkt sein, um gemeinsam nachzuforschen. Dieses gemeinsame Reflektieren schafft Verständnis und Vertrauen, man bewegt sich auf Augenhöhe, Machtkämpfe und Diskussionen, die zu Konflikten führen, können so umgangen werden. Ich als Freelancer begegne meinem Kunden als Berater, dessen Hilfe angenommen werden kann oder nicht.

 

Diese Herangehensweise sehe ich als ersten Schritt um eine gemeinsame Basis zu schaffen, um ein für den Anbieter und den User ein wertvolles Produkt zu schaffen. Ein Produkt, das eine ansprechende User Experience schafft.

Share your thoughts