Der rote, grüne und blaue Typ in der UX

Fühlt der User sich deutlicher angesprochen, wenn man das Wissen des Structograms anwendet?

Beginnen wir mit der Begriffserklärung „Structogram“. Das Structogram, auch Biostruktur-Analyse genannt, wurde 1970 von dem deutschen Antaropologen Rolf W. Schirm entwickelt. Seine Analyse baut auf dem Modell des amerikanischen Hirnforschers Paul D. MacLean auf, der die Hirnteile Großhirn, Zwischenhirn und Stammhirn als unterschiedliche Strukturen beschrieb. Bei dieser Analyse handelt es sich um die Einschätzung, welche Gehirnteile bei einem Menschen am stärksten agieren, nämlich Gefühl, Emotion oder Ratio. Alle drei Komponenten werden unterschiedlichen Gehirnabschnitten zugeordnet und mit den drei Farben Grün, Blau und Rot gekennzeichnet.

 

 

Grün steht für Gefühl

In diesem Modell wird mit Grün das Stammhirn gekennzeichnet und steht für das Gefühl. Menschen, die Stammhirn orientiert denken und sich verhalten sind Vergangenheitsorientiert, suchen den Kontakt zu anderen Menschen, haben eine stark ausgeprägte Intuition und haben Erfolg durch das Anwenden und Verfügen über Sympathien.

Rot steht für Emotion 

Das Zwischenhirn ist der rote Bereich im Kreis und steht für das Zwischenhirn. Menschen, die Zwischenhirn orientiert sind, sind dominant und streben nach Überlegenheit und Authentizität. Sie denken in der Gegenwart und entscheiden spontan. Sie denken praktisch und orientieren sich an der Machbarkeit. Diese Menschen haben Erfolg, in dem sie mitreißen.

Blau steht für Ratio

Der dritte Bereich ist das Großhirn und wird in diesem Modell blau markiert. Diese Menschen verhalten sich distanziert, sind zukunftsorientiert und entscheiden nichts ohne einen Plan zu haben. Ordnung ist für sie ein hohes Gut, sie denken systematisch und abstrakt. Ihr Erfolg wird gekennzeichnet durch das Überzeugen.

Jedoch verfügt kein Mensch nur über einen roten, grünen oder blauen Anteil im Gehirn. Es handelt sich hier um einen dominierenden Bereich, der unser Verhalten beeinflusst, die 2 anderen Komponenten sind lediglich schwächer ausgeprägt und haben daher weniger Einfluss.

Verfügt man über das Wissen, welcher Gehirnteil in einem Menschen am stärksten führt, kann man den Menschen bewusst lenken in dem man bestimmte Verhaltensweisen und Begriffe verwendet. Daher wird dieses Modell oft Verkäufern gelehrt und möglicherweise von denen auch angewendet.

 

Was hilft mir dieses Wissen in meinem Alltag?

Tagtäglich treffen wir auf Menschen mit solchen Charaktereigenschaften. Hört man oder schaut man einmal genau hin, kann man Muster feststellen, wie diese Personen kommunizieren oder sich verhalten. Betrachtet man die verbale Kommunikation kann man erkennen, das Wörter wie Wettbewerb, Gefühl, besser sein, das Nennen von Zahlen genutzt werden. Fokussiert man sich auf die non verbale Kommunikation können einem eine offene Körperhaltung, ein starker oder schneller Schritt oder ein abgewendeter Körper auffallen. Hat man für diese Art der Kommunikation ein gewisses Verständnis entwickelt, erleichtert es einem den Umgang mit anderen Menschen, da man sich dem anpassen kann bzw. sich darauf vorbereiten kann.

 

Ich möchte dieses Modell und Wissen nun aber auf den digitalen und nicht non-verbal kommunizierenden User anwenden. Wie kann es mir da helfen?

Geben wir den drei unterschiedlichen Typen eine Stimme und lassen sie Wörter benutzen.

 

Jeder Typus nutzt andere Wörter

Im Falle des Grünen Typen, der kontaktsuchend, vergangenheitsorientiert und intuitiv ist, könnte das sein: Werte, Vergangenheit, Tradition, Familie, Kindheit, Liebe, Zugehörigkeit, Fantasie, Verbindung, Wir-Gefühl, Stimmung, Bequemlichkeit, Hilfe, Unterstützung und vieles mehr. Geht man davon aus, er ist ein hilfsbereiter Mensch, der sich in Gruppen wohl fühlt, etwas kauft was ihm sympathisch ist, auf sein Bauchgefühl hört und Wert auf gute, persönliche Beratung legt, sollte er mit Geschichten, persönlicher Ansprache, Liebe zum Detail und zum Produkt und melodisch klingenden Sätzen angesprochen werden. Es sollte deutlich heraus gestellt werden, was der Mehrwert hinter Dienstleistung und Produkt für ihn/sie und die Umwelt ist.

Der rote Typ fühlt sich angesprochen durch Wörter wie Ergebnisse, Macher, Wettbewerb, Erfolg, spektakulär, bewundernswert, Markführer, extravagant, Status u.v.m.
Diese Person sieht den Mehrwert im Produkt oder in der Dienstleistung, wenn er/sie daraus einen alleinigen Nutzen zieht und noch besser voran kommt. Er/Sie ist ungeduldig, spontan, will etwas bewegen und bestenfalls auffallen. So jemanden spricht man mit Superlativen, einer kurzen Lieferzeit, Luxus und sofortigem Erfolg an.

Der blaue Typ ist analystisch, strukturiert und geht immer nach Plan vor. Ihn/Sie spricht man möglichst mit Zahlen, Fakten und Wörtern wie Funktion, Ordnung, Zertifikat, Planbarkeit, Zielgruppe, Orientierung, Absatz, Statistik u.v.m. an.
Dieser Typ Mensch wird das Angebot annehmen, wenn man klar durch Zahlen und Tabellen herausstellen kann, dass der Kauf eine tatsächliche Verbesserung ist. Tests und Gutachten helfen ihm/ihr eine Entscheidung zu treffen.

 

Angewendet auf Personas 

Ausgehend von diesem Wissen kann man sich nun überlegen, wie man seine Zielgruppe anspricht. Da aber wie oben erklärt jeder von uns alle 3 genannten Komponenten in sich trägt und sich dementsprechend verhält, kann man auch nicht den „grünen“ Weg oder die „rote“ Ansprache wählen. Vielmehr sollte man vorab wiederum genau abwägen und evaluieren, was die anzusprechende Zielgruppe ist und dafür eine oder mehrere aussagekräftige Personas entwickeln. Diese Personas könnte man den Test, um das Structogram zu erfassen, durchlaufen lassen. Kommt dabei beispielsweise raus, dass die Zielgruppe aus rot-dominanten Personen  mit einem starken Grün besteht, kann man dementsprechend seine Ansprache wählen. In diesem Falle ist es wichtig den Mehrwert für den User klar heraus zu stellen und das Produkt oder die Dienstleistung selbst als Macher zu bezeichnen oder zumindest so aufzutreten. Ein ansprechendes Design, das Luxus oder Außergewöhnlichkeit verspricht, trägt ebenfalls zum Erfolg bei. Und um den Grünanteil in der roten Person anzusprechen, helfen eine persönliche Ansprache sowie das Herausstellen eines Wir-Gefühls, denn dann hat der User das Gefühl teil einer außergewöhnlichen Gemeinschaft zu sein, die die Welt verändern kann.

 

Fazit

Mein Fazit ist, dass Methoden aus der Kommunikation bzw. der Neurologie ebenfalls auf die User Experience angewendet werden können und sollten. So kann, meiner Annahme nach, eine noch bessere User Experience geschaffen werden. Denn letztendlich ist der digitale User auch „nur“ ein Mensch.
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass es sich bei dieser Aussage um eine aufgestellte These handelt. Diese These konnte ich leider noch nicht überprüfen, da mir dafür das Projektumfeld bisher fehlte.

 

 

Quellen:
https://bewusstekommunikation.wordpress.com/tag/struktogramm/
https://de.wikipedia.org/wiki/Biostruktur-Analyse
http://www.wittwer-kuenstlerdienst.de/struktest.pdf

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